Behandlung  
Dr. Phil. Barbara Zollinger
 
   

Der sprachentwicklungspsychologische Ansatz nach Dr. Barbara Zollinger:

Frau Dr. Zollinger beschäftigt sich seit 1977 in Theorie, Forschung und Praxis mit der kindlichen Sprachentwicklung und im Besonderen mit der Früherfassung und Frühtherapie sprachentwicklungsauffälliger Kinder. In diesem Rahmen hat sie verschiedene Beobachtungs- und Testverfahren erarbeitet wie z.B. das Entwicklungsprofil zur Erfassung früher Spracherwerbsstörungen oder den Pizzamigliotest zur Überprüfung
des Sprachverständnisses. Sie hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, die inzwischen zu den Grundlagenwerken nicht nur in der Ausbildung von Logopäden gehören. Dr. Zollinger leitet zusammen mit ihren Kolleginnen das Zentrum für kleine Kinder in Winterthur/Schweiz. Neben Fort- und Weiterbildungen für Interessierte aus allen heilpädagogischen Berufen ist die Forschung und Weiterentwicklung und die Frühtherapie sprachauffälliger Kinder ein wesentlicher Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Zum Therapiekonzept:
Sprache ist ein Repräsentationsmittel. Wir brauchen sie als Symbol, um Dinge, Gefühle und Handlungen in das "Hier und Jetzt" zu transportieren, d.h. um über Dinge zu berichten, die nicht sicht-, hör- oder fassbar sind. So ist es möglich, dass wir uns mit Hilfe von Sprache z.B einen Urlaub mit Sonne, Palmen, Strand und Meer vorstellen können oder uns in eine ganz bestimmte Situation, Atmosphäre, ein Gefühl oder etwas ähnliches hineinversetzen können, ohne dass wir selbst diesen Urlaub oder diese Erfahrung gemacht haben. In solchen Fällen stehen die Wörter stellvertretend für die Realität, d.h. sie sind repräsentativ. Das Kind muss die Welt der Gegenstände kennen lernen. Es muss die Dinge sehen, hören und anfassen, um später zu "begreifen", dass sie auch existieren, wenn sie nicht anwesend sind, und um schließlich zu entdecken, dass diese nicht anwesenden Dinge durch Symbole = Wörter repräsentiert werden. Auf der anderen Seite muss es die Welt der Personen kennen lernen. Es muss seine eigenen Gefühle und Absichten kennen und von denjenigen der anderen abzugrenzen lernen, um sie dann teilen und mitteilen zu können. Diese beiden Welten muss es nun miteinander verknüpfen, denn die Sprache kommt immer von "jemandem" und bezieht sich auf "etwas" (aus dem Buch die Entdeckung der Sprache - Zollinger 1995).
Im Zentrum der Therapie steht die Kommunikation von Kind und Therapeut, das Medium zwischen beiden ist das Spiel. "Das Spiel ist die eigentliche Sprache des Kindes" (Hans Zulliger 1952).

Diagnostik und Therapie bereits ab 2 ½ Jahren:
Sprachentwicklungsstörungen können schon sehr früh erkannt und diagnostiziert werden. Spätestens mit 2 ½ Jahren ist eine frühe Erfassung sprachlicher und kommunikativer Kompetenzen sprachauffälliger Kinder durchführbar, wobei das Augenmerk hierbei nicht allein auf den linguistischen Fähigkeiten liegt, sondern vor allem darauf, ob ein Kind die Sprache als Repräsentations- und Kommunikationsmittel überhaupt entdeckt hat. Das erfordert eine neue Sichtweise, weg vom leistungsorientierten Denken, weg von den formalen Aspekten wie Aussprache und Perfektion, hin zu den inhaltlichen Aspekten: Kann das Kind die Sprache gebrauchen, um zu kommunizieren? Benützt es schon das Wort "Nein"? Sagt es schon das Wort "Ich"? Welchen Grad an Vorstellungsfähigkeit beim Spielen hat das Kind bereits erreicht? Wie verlässlich sind diese Vorstellungen? ...
Alle Entwicklungsbereiche werden beobachtet, miteinander in Beziehung gesetzt und ergeben ein ganzheitliches Entwicklungsprofil. Auf dieser Grundlage wird beurteilt, ob und welche Therapie zu diesem Zeitpunkt für das Kind sinnvoll ist. In vielen Fällen genügt zunächst eine ausführliche Beratung der Eltern.
Die Titel, der im Paul-Haupt-Verlag erschienenen Bücher, siehe unter Literatur.